Das Gehirn – ein Energiesparschwein

Unser Gehirn macht zwar nur etwa 2 % unseres Körpergewichts aus, verbraucht aber im Ruhezustand rund 20 % unserer gesamten Energie. Das ist ein riesiger Liebesdienst des Körpers. Deshalb hat das Gehirn oberste Priorität: Energie sparen.

1. Der Idealzustand: Kohärenz (Harmonie)

Wenn alles im Einklang ist – wenn unsere Gedanken, Gefühle, Bedürfnisse und Handlungen übereinstimmen –, läuft das Gehirn im „Energiesparmodus“. Die Nervenbahnen feuern harmonisch und synchron. Gerald Hüther nennt diesen Zustand Kohärenz. Es fühlt sich für uns gut, ruhig und richtig an.

2. Der Alarmzustand: Inkohärenz (Das Problem)

Sobald Reibung entsteht, schaltet das Gehirn in den „Hochleistungsmodus“ und frisst Unmengen an Energie. Das nennt man Inkohärenz. Und genau hier setzt der entscheidende Punkt an: Inkohärenz entsteht nicht nur bei mathematischen Problemen, sondern vor allem dann, wenn wir unauthentisch leben.

  • Wenn du Ja sagst, obwohl du Nein fühlst.
  • Wenn du deine Grenzen ignorierst.
  • Wenn deine Grundbedürfnisse nach Verbindung (Zugehörigkeit) und Autonomie (Freiheit/Authentizität) verletzt werden.

Für das Gehirn ist das ein energetischer Super-GAU. Es signalisiert: „Achtung, Notstand! Wir verbrauchen zu viel Energie! Wir müssen das Problem lösen und wieder in die Harmonie (Kohärenz) kommen!“

Das Problem mit dem „kürzesten Weg“ (Die Notlösungen)

Weil das Gehirn die Inkohärenz so schnell wie möglich beenden will, sucht es den kürzesten, energiesparendsten Weg. Das Problem dabei: Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen einer gesunden Lösung und einer schnellen Notlösung. Hauptsache, der Energieverbrauch sinkt.

Wie sehen diese schnellen Notlösungen aus?

  • Anteile abspalten / Betäubung: Wenn ein Kind merkt: „Wenn ich mein Bedürfnis nach Autonomie zeige, verliere ich die Verbindung zu meinen Eltern“ (große Inkohärenz), löst das Gehirn das Problem radikal: Es drückt das Bedürfnis weg, betäubt den Schmerz oder friert diesen Anteil ein. Die Harmonie im Außen ist scheinbar wiederhergestellt, das Gehirn spart wieder Energie.
  • Muster und Routinen: Im Erwachsenenleben nutzen wir dann genau diese alten „Notlösungen“ als feste Verhaltensmuster (z. B. Perfektionismus, Gefallsucht, emotionales Essen). Sie sind wie Autobahnen im Gehirn – sie kosten wenig Energie, sind aber oft ungesund für uns.

Unser Gehirn ist bis ins hohe Alter lernfähig und formbar (Neuroplastizität). Wir sind unseren alten Mustern nicht hilflos ausgeliefert – und genau hier setzt meine Begleitung an.

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